Seit langem beobachte ich mit ungehaltener Euphorie das Verhalten von Menschen auf öffentlichen Toiletten. Damit ist weniger der Fixer am Bahnhofsklo gemeint, sondern eher die Kollegen, Komilitonen und Mitschüler auf den Shared Restroomsin der jeweiligen häuslichen Einrichtung. Das besonders Interessante an diesen Situationen sind die Reaktionen der Geschäftigen, sobald ein anderer Gedrängter die Toilette betritt. Dabei fällt schnell ins Auge, dass die Subjekte in recht klar strukturierte Klassen unterteilt werden können. You'll get the idea, wenn ich einfach mal aufliste:
Der "Normale"
Der Normale ist gleich auch schon ein Sonderfall, denn er ist, trotz seiner Bezeichnung, eine der seltensten Formen des WC-Gängers. Er sitzt auf der Toilette und hat einen straight-forward Ablauf. Für ihn ist das Kacken einfach normal. Betritt eine andere Person die Räumlichkeiten, geht alles wie gehabt weiter. Bei erhöhter Flatulenz wird das Konzert unbeirrt fortgeführt und auch die Wischgeräusche werden nicht gedämmt. Es soll ja alles sauber sein, also gründlich zu Werke gehen. Da können die anderen ruhig dran teilhaben, vielleicht lernen sie ja noch was.
Der Schatten
Eine ganz besondere (und besonders erheiternde) Gattung ist der Schatten. Er versucht auf Teufel-komm-raus unsichtbar zu sein, nein, er versucht nicht-anwesend zu sein. Sobald ein weiterer Teilnehmer die örtlichkeiten betritt, wird sämtliches Geräusch zwanghaft vermieden und in Bewegungslosigkeit verharrt. Extreme Varianten heben sogar für die Dauer des Gastaufenthalts die Füße an, damit man ihn nicht erspähen kann. Sein größtes Verhängnis ist das rote Signallabel der verschlossenen Kabinentür.
Der Schatten hat einen sehr starken Opfercharakter. Es reizt mich immer sehr, mir beim Urinieren besonders viel Zeit zu lassen, vielleicht noch ein Liedchen zu pfeifen und extra lang und gründlich die Hände zu waschen. Vielleicht noch mal die Haare machen, Nase putzen. Und dann noch mal zurück zum Urinal und das ganze Prozedere erneut. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird der Schatten keinen Mucks von sich geben.
Wenn man den Schatten in seiner natürlichen Umgebung, ohne externe Einflüsse, erforschen will, kann man das Verlassen der Örtlichkeiten mit simplen Tricks vortäuschen. Tür öffnen, ein paar Schritte andeuten, Tür wieder schließen und abwarten. In der Regel wird das Scham-Tier blitzschnell wieder aktiv und macht deutlich auf sich aufmerksam.
Das hochrote Gesicht bei der Erkenntnis, dass die Privatsphäre von trügerischer Natur war, sobald der Schatten seine Kabine verlässt, ist danach ein reiner Hochgenuss. "NA!? WARSTE SCHÖN KACKEN?"
Der Taktiker
Der Taktiker ist eine etwas lockerere Form des Schattens. Er möchte seine soziale Stellung nicht durch übermäßige Klogeräusche beeinträchtigen. Allerdings ist er zu stur, um seine aktuelle Aufgabe für die Dauer eines Wasserlassens auf Eis zu legen, also geht er beinahe schon militärisch taktisch vor. Er lauert scharfsinnig wie ein Canis Lupus auf der Pirsch, jeder Nerv ist wie ein Drahtseil gespannt und die Beckenbodenmuskulatur wird krampfhaft in Bereitschaft gepresst.
Nimmt er dann ein Geräusch wahr, das in seinen Ohren laut genug ist und lang genug anhält (wie zum Beispiel das Plätschern der Klospülung), bricht die Apokalypse in der Toilettenschüssel aus. Vergleichbar mit einer Druckbetankungsanlage in einem Formel-1 Wagen entlädt sich der Taktiker und wiegt sich sicher in der akustischen Deckung der Spülung.
Der Selbstdarsteller
Wenn ich den Selbstdarsteller psychoanalysieren sollte, würde ich sagen: Er hat in seiner Kindheit eine Mischung aus mangelnder Aufmerksamkeit und Mobbing erfahren. Ich weiß nicht, ob es Freude oder unterdrückte Scham ist, die den Selbstdarsteller antreiben, aber für ihn das Eintreten weiterer Klobesucher wie das Heben des Vorhangs für den Opernsänger.
Seine Kackophonie steigert sich dramatisch von einem mezzopiano über ein moderato zu einem fortissimo an, was das Publikum gleichzeitig unterhält und beschämt. Der Selbstdarsteller macht zeigt auch deutlich, dass er sich seiner Audienz klarstens bewusst ist und bezieht sie mitunter sogar in seine Performance ein. ("Hah hah! Mensch, was hab ich denn geGESSEN?")
Das anschließende Abwischen ist dann keinesfalls rein zweckgebunden, sondern fungiert viel mehr als stimmungsvoller Applaus, (geradezu als Standing Ovations) für die gerade gehaltene Rektal-Arie.
Des weiteren besitzt der Selbstdarsteller einen präzisen Instinkt für Timing, um zeitgleich mit seinem Publikum am Waschbecken zu stehen. Sozusagen die Autogrammstunde. Oder nein, noch besser: "After"-Show Party.
Okay, jetzt wirds zu platt. Ich mach hier mal nen Punkt. Vielleicht wird die Latrinengänger-Enzyklopädie zu einem späteren Zeitpunkt fortgeführt.
To be continued...
Ni!
Fx
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